Raffaella Romagnolo: Bella Ciao

Aus dem Italienischen von Maja Pflug, Diogenes 2019, 528 S., € 24,- (Destino, Rizzoli 2018, € 26,-)

Romagnolo Bella Ciao_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergBorgo di Dentro, eine kleine Stadt des Piemont an der Grenze zu Ligurien. Man schreibt das Jahr 1900, Anita und Giulia sind 19, beste Freundinnen und arbeiten beide seit ihrer Kindheit in der Spinnerei. Giulia ist seit langem mit Pietro verlobt. Als sie diesen zusammen mit Anita überrascht, flieht sie allein über Genua nach New York. Was wie ein konventioneller Liebesroman beginnt, entwickelt sich zu einem packend geschriebenen und bestens recherchierten Panorama von 50 Jahren norditalienischer Geschichte, wobei das Schicksal der daheim gebliebenen dem der Auswanderer gegenübergestellt wird. Streiks, Ausbeutung, die Weltkriege, der Faschismus und die Partisanenkämpfe prägen mit all ihrer Brutalität das Leben von Anita, Pietro und ihrer Familie, während Giulia in Amerika zu Wohlstand gelangt. Raffaella Romagnolo gelingt das Kunststück, historische Fakten so lebendig zu schildern, so berührend und mitreißend, ohne dabei in Kitsch abzugleiten, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann, um am Schluss wie aus einem guten Film daraus emporzutauchen. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Margherita Giacobino: Familienbild mit dickem Kind

„Ritratto di famiglia con bambina grassa“. Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Kunstmann 2016, € 22,00

giacobino_familienbild_mit_dickem_kind_danteperle_dante_connectionManchmal würden wir am liebsten ein Buch anders einschlagen, wenn das Cover völlig in die Irre führt. Dies ist so ein Fall. Margherita Giacobino erzählt in ihrem neuen Roman gänzlich unsentimental die Geschichte ihrer Familie, die nur mit großer Anstrengung und enormem Erfindungsreichtum einem Leben aus Armut, Entbehrung und Ausgeschlossensein entkommen konnte. Das war vor 100 Jahren im Piemont nichts Ungewöhnliches, doch das Besondere an dieser Familie ist, dass Frauen hier das Zepter fest in den Händen hielten und die grundlegenden Entscheidungen für die Familie trafen. Giacobinos Vorfahrinnen sind wirkliche Akteurinnen, natürlich sind sie sich nicht einig und versuchen nach allen Regeln der Kunst, das dicke Mädchen für sich einzuspannen. Dieses Kind gräbt Jahrzehnte später als gestandene Erwachsene in ihren Erinnerungen, befragt Verwandte, deutet alte Fotos und Materialien um und verbindet all diese Elemente zu einem großen Familienroman, in dem sie einige unverwechselbare italienische Matriarchinnen feiert. (Stefanie Hetze) Leseprobe

Am 23. November stellt Margherita Giacobino bei uns ihr „Familienbild“ in einer italienisch-deutschen Lesung vor.

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Donatella Di Pietrantonio: Bella mia

Aus dem Italienischen von Maja Pflug, Verlag Antje Kunstmann 2016, € 18,95
(Bella mia, Elliot 2014, € 23,50)

17_di-pietrantonio-bella-mia-dante-connection-danteperle2009 wurde die süditalienische Stadt L´Acquila durch ein Erdbeben fast völlig zerstört. Der versprochene Wiederaufbau ist auch aufgrund von Korruption und mafiösen Einflüssen bis heute nicht erfolgt. Für die  obdachlos gewordene Bevölkerung ist das Leben in den eilig hochgezogenen Behelfsunterkünften nach Jahren des Wartens zum Dauerzustand geworden.
Caterina, die Ich-Erzählerin, ihre Mutter und Marco, Caterinas Neffe, der bei dem Erdbeben seine Mutter, die Zwillingsschwester von Caterina, verlor, leben zusammen in einer kleinen Wohnung, jeder in seiner ganz eigenen Trauer gefangen. Mit großem Einfühlungsvermögen, ohne Pathos und mit zartem Fingerspitzengefühl erzählt Di Pietrantonio wie die drei wieder ins Leben zurückfinden, Zuversicht, Liebe und den Glauben an eine mögliche Zukunft für sich zurückerobern. Der Text wurde von Maja Pflug mit viel Sprachgefühl kongenial ins Deutsche übersetzt. Ein Buch, das  in all seiner Tragik Mut zum Leben macht. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Elena Kostioukovitch: Italia!

Die Italiener und ihre Leidenschaft für das Essen: Eine Reise von den Alpen bis Sizilien und Sardinien. Mit einem Vorwort von Umberto Eco. Aus dem Italienischen von Rita Seuß, Maja Pflug, Friederike Hausmann und Burkhart Kroeber. Fischer 2015, € 24,99 (perché agli Italiani piace parlare del cibo)

40_kostioukivitch_italiaEssen und vor allem das leidenschatliche Diskutieren darüber prägen in Italien Alltag, Kultur und  Kommunikation. Von den vielfältigen Facetten und regionalen Besonderheiten der Küche Italiens schreibt die Autorin kenntnisreich, sie nimmt uns mit auf eine Reise durch das ganze Land, erzählt Geschichten vom Essen, das sich längst nicht nur auf den Kalender, die Demokratie, den Eros und das Glücksgefühl auswirkt. Eine außergewöhnliche Kulturgeschichte, dazu angereichert mit stimmungsvollen SW-Fotos. (Stefanie Hetze)

Donatella di Pietrantonio: Meine Mutter ist ein Fluss

Aus dem Italienischen von Maja Pflug, Kunstmann 2013, € 16,95. Original: Mia madre è un fiume, Editore Elliot 2010, € 12,90.

di-pietrantonio-meine-mutter-ist-ein-fluss_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergEine Mutter, die von ihrem Kind in all ihrer Liebe und Aufmerksamkeit schmerzhaft vermisst wurde, erkrankt an Demenz. Für die erwachsene Tochter birgt dies die Gefahr nun gänzlich zu verlieren, was ohnehin eine Leerstelle war. Also beginnt sie der kranken Mutter das eigene Leben zu erzählen, durchdringt dies mit Episoden aus der nun anstehenden Pflege der gealterten Frau. Sie erinnert sie an Familienzwistigkeiten, Feldarbeit und Feste, wird buchstäblich zu ihrem Gedächtnis. Donatella di Pietrantonio gelingt dabei nicht nur ein gänzlich unsentimentales, dennoch liebevolles Porträt der eigenen Mutter, sondern sie schildert auch ein hartes Leben in einem archaisch geprägten, bäuerlichen Italien in den Abruzzen. Die Autorin meistert eindringlich den Spagat zwischen der Sehnsucht nach einer zugewandten Mutter und dem Verständnis für deren schwierige Lebenssituationen. Ein sensibles und leises Buch, nicht nur, aber auch für Italieninteressierte! (Jana Kühn) Leseprobe

Freitag, 18.11. um 20.15 Uhr

„Der Mond und die Feuer“ – „La luna e i faló“ Ein Cesare-Pavese-Abend mit der Übersetzerin Maja Pflug

cesarepaveseVon Cesare Pavese, dem berühmten italienischen Autor und Spracherneuerer nach dem Faschismus, erscheint in neuer Übersetzung im Rotpunktverlag in der neuen „Edition Blau“ einer seiner besonders einfühlsamen Kurzromane über seine Heimat Piemont und ihre Bewohner. „Der Mond und die Feuer“ ist ein hochaktuelles Buch über das Weggehen und Rückkehren. Seine Übersetzerin Maja Pflug stellt es uns vor. Maja Pflug wurde 2011 mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Im Rahmen der Woche der unabhängigen Buchhandlungen.

Karten 8 € / 5 €