Declan Burke: The Big O

Aus dem irischen Englisch übersetzt von Robert Brack, Edition Nautilus 2016, € 18,00

pbThe Big O ist das Ende des Pistolenlaufs einer 44er Magnum. Rossis 44er und die will er zurück von seiner Ex Karen, genauso wie seine Ducati. Beide hat sie verwahrt, wärend Rossi die letzten fünf Jahre im Knast saß. Nun ja, benutzt hat sie sie schon auch – bei gelegentlichen Raubüberfällen. Bei einem Coup lernt sie Ray kennen, der ebenfalls einen kriminellen Nebenverdienst betreibt. Sein nächster Auftrag ist die Entführung der Ex-Frau des finanziell fast ruinierten Schönheitschirurgen Frank. Lösegeldsumme: 500.000 Dollar. Das könnte sein Rettung sein. Die Ex-Frau Madge ist allerdings Karens beste Freundin, und Karens offizieller Arbeitsplatz befindet sich im Vorzimmer von Franks Praxis. Alles klar? Irgendwann in diesem fulminanten Kriminalroman sagt Ray zu Karen, dass das jetzt alles schon ziemlich unwahrscheinlich ist … o ja! Aber es macht fantastischen Spaß, denn alle wollen die 500 Riesen und mit welchen Winkelzügen, wahnwitzigen Wendungen und erzählerischen Kniffen Burke seine Protagonisten auf die Jagd schickt, ist großes Kino – oder eben Screwball Noir! (Jana Kühn)  Leseprobe

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Malla Nunn: Tal des Schweigens

Aus dem australischen Englisch von Laudan & Szelinski. Argument Verlag 2015. €13,-

31_nunn_tal-des-schweigensSüdafrika 1953, Emmanuel Cooper, der mit der Geliebten seines Chefs im Bett liegt, wird nachts zu einem unerquicklichen Einsatz beordert. Fernab der Stadt wurde ein schönes Zulumädchen, Tochter des mächtigen ansässigen Chiefs, im Gebirge nur mit langem Fußmarsch erreichbar, blumenbeschmückt und auf einer kostbaren Decke liegend, ermordet aufgefunden. Rätsel über Rätsel tun sich in diesem “Tal des Schweigens” auf. Die Zuluclans samt ihren Kriegern, die weißen Farmer, die sich als Afrikaaner und Buren befeinden, die Ärztin, die örtliche Polizei, sie alle mauern und sind Teil des starren absurden Apartheitssystems. Selbst Cooper, Repräsentant der mächtigen weißen Polizei, aber auch nicht “reinrassig”, und sein Assistent Shabalala, ein Zulu im Maßanzug, die sich bestens verstehen, müssen jede ihrer Handlungen an den schizophrenen Regeln des Regimes austarieren. Direkt nachvollziehbar zu machen, wie sich die Apartheit auf die minimalsten menschlichen Beziehungen auswirkte, ist neben dem sehr spannenden Plot Malla Nunns großer Verdienst. (Stefanie Hetze)

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Christian Schünemann, Jelena Volić: Kornblumenblau. Ein Fall für Milena Lukin

Diogenes Verlag 2013, € 19,90, tb Diogenes 2015, € 11,90

schuenemann-volic-kornblumenblau-diogenes_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergMilena Lukin, Serbin mit deutschem Pass und Habilitierende für internationales Strafrecht, trifft  bei ihren wissenschaftlichen Forschungen auf den vertuschten Mord an zwei jungen Soldaten und stößt in ein Wespennest von Gewalt und Korruption. Kontrastierend zu den üblen Machenschaften  von Politik, Militär und Justiz, die sich im – spannenden – Plot auftun, setzt das serbisch-deutsche Autorenduo die Figur der eigenwillig sympathischen  Protagonistin. Milena hat Sohn, Mutter und Katze zu versorgen in einem bizarr kaputten faszinierenden Belgrad. Der Krimi Kornblumenblau macht große Lust auf mehr. (Stefanie Hetze)

Leseprobe Volic&Schünemann