Juri Andruchowytsch: Kleines Lexikon intimer Städte

Aus dem Ukrainischen von Sabine Stöh, Insel Verlag 2016, 416 S., € 24,-

andruchowytsch-kleines-lexikon-intimer-staedte_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzberg39 Städte, von Aarau bis Zug über Berlin, Detroit, Odessa und Venedig, Städte, in denen Andruchowytsch – teils über längere Zeit, teils nur für einen Tag, teils als Kind, teils erst vor wenigen Jahren – gewesen ist. Es ist kein Städteführer, der sich hier vor uns entfaltet, sondern ein Kaleidoskop der Erinnerungen, Gefühle, Anekdoten und Betrachtungen. Mal sind sie heiter, mal melancholisch, mal skurril und mal ergreifend (wie die Schilderung seiner persönlichen Erlebnisse in Kiew in den Tagen des Maidan) und immer schafft er es zu überraschen. So folgen wir ihm neugierig nach Prag, das er mit den Augen eines Achtjährigen betrachtet, auf Friedhöfe in Odessa oder in die Straße in Warschau, die einst David Bowie entlang gegangen ist. Ein bisweilen hochpoetisches Buch zum Stöbern, Lachen, Nachdenken und Staunen. (Syme Sigmund)
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Katja Petrowskaja: Vielleicht Esther

Suhrkamp 2014, € 19,95, TB Ausgabe € 10,00

vielleicht_esther_danteperle_dante_connectionKatja Petrowskaja macht sich auf die Suche nach Ihren jüdischen Vorfahren, forscht in Österreich, Polen und der Ukraine nach Spuren von Rosa, Ozjel, Anna oder eben Esther und stößt dabei stets an die Grenzen dessen, was noch erfahrbar ist, wenn es die Menschen, die man hätte fragen können nicht mehr gibt, wenn nur “Erinnerungsfetzen, zweifelhafte Notizen und Dokumente in fernen Archiven” bleiben. Die 1970 in Kiew geborene und aufgewachsene Autorin fühlt sich “der Geschichte ausgeliefert”, folgt Hypothesen, fragt nach, verzweifelt an den Tücken der Internet-Suchmaschine und arroganten Telefonistinnen, stößt auf immer neue Versionen der gleichen Geschichte, verirrt sich in Archiven, gibt nicht auf, macht überraschende Entdeckungen und spinnt so nach und nach ein Gewebe aus Geschichten, in denen sich Gegenwart und Vergangenheit überlagern und vernetzen, in denen das Deutsch von Petrowskaja dank ihres gleichsam frischen Blicks auf diese Sprache neu und hoch literarisch-poetische Glücksmomente fern aller literarischen Konventionen zaubert und man am Ende des Buches auf viel mehr von dieser ganz besonderen Autorin hofft, die für ein Kapitel aus “Vielleicht Esther” verdientermaßen den Ingeborg-Bachmann-Preis 2013 gewonnen hat. (Syme Falco) Leseprobe