Hilmar Klute: Was dann nachher so schön fliegt

Galiani Berlin 2018, 368 S., € 22,-

Klute Was dann nachher_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergBochum 1986. Volker macht Zivildienst, im Altenheim, aber eigentlich, eigentlich ist er Dichter, angehender zumindest. Immerhin wird er eingeladen, nach West-Berlin, zu einem Seminar für junge Schriftsteller. Das ist zwar nicht die Gruppe 47, die seine Tagträume bestimmt, aber doch ein Anfang. Und in Berlin lernt er Katja kennen, die ihn wirklich für begabt hält und ihm auch sonst eine neue Welt eröffnet – vor allem die Club- und Kneipenszene der geteilten Stadt. Sensibel und höchst komisch begleitet Hilmar Klute diesen jungen Mann auf dem Weg ins Erwachsen-Sein. Der Alltag eines durchschnittlichen Pflegeheims und der um sich selbst kreisende Literaturbetrieb werden einander in geschicktem Wechselspiel gegenübergestellt. Klute gelingt dies mit unterhaltsam-eleganter Ironie ohne dabei in Überheblichkeit abzugleiten. Ein Werk voll leichten Witzes und Poesie sowie ein Hoch auf die Kraft und die Schönheit, die Worte zu entfalten in der Lage sind. Ein wunderbares Buch. (Syme Sigmund)

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Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer

Verlag Galiani Berlin 2018, 592 S., € 25,-

DuveMan schreibt das Jahr 1817, die 20-jährige Nette lebt als behütetes Freifräulein inmitten einer großen Familie. Ihre schwache Gesundheit und ihre extreme Kurzsichtigkeit hindern sie nicht daran, ihren äußerst scharfsinnigen und regen Geist anzuwenden. Gedichte schreibt sie und sie interessiert sich für Geologie, hat immer einen Hammer dabei. In ihrer Familie gilt sie als einer Dame unangemessen vorlaut und scharfzüngig. Als sie sich in den bürgerlichen Straube verliebt, der als einziger ihr Genie erkennt, kommt es zum Eklat und zur innerfamiliären Verschwörung. Nette ist die Dichterin Annette von Droste Hülshoff. Karen Duve hat akribisch recherchiert und auf der Basis historischer Fakten einen höchst lebendigen, unterhaltsamen und gleichzeitig äußerst interessanten Roman geschrieben. Selten sind einem historische Persönlichkeiten und Ereignisse, ja das Portrait einer ganzen Epoche – unter anderem die Gebrüder Grimm, die damaligen nationaldeutsch-romantischen Göttinger Studentenkreise oder auch Heinrich Heine – so frisch, so aktuell und gleichzeitig so fundiert präsentiert worden wie hier. (Syme Sigmund)

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Hanns Zischler: Das Mädchen mit den Orangenpapieren

Galiani Berlin 2014, € 16,99

59-zischler-orangenpapierEine bayrische Kleinstadt Mitte der 50er Jahre. Das Mädchen Elsa ist mit ihrem Vater aus Dresden hierhergezogen, doch Berge und Dialekt sind ihr fremd, die verstorbene Mutter und der weite Blick über die Elbe fehlen ihr. Die zarten Papierhüllen der noch besonderen Orangen mit ihrer bunten Welt aus exotischen Motiven und Fabelwesen verheißen eine fremde, weniger enge Welt. Leise bahnt sich Freundschaft an, die erste zarte Liebe  – und der Flug in einem Heißluftballon führt wenigstens für ein paar Stunden über die Berge hinaus. Es ist ein feinfühliges Buch der leisen Töne, es passiert nicht viel und doch ist jedes Kapitel ein Kleinod an sprachlicher Eleganz, das uns eine Facette des vor uns sich entfaltenden Bildes schenkt und im Herzen des Lesers seine Spuren hinterlässt, fragil und federleicht wie Orangenpapiere. (Syme Falco) H. Zischler liest aus seinem Buch