Sandra Petrignani: Die Freibeuterin

Das Leben der Natalia Ginzburg. Aus dem Italienischen von Stefanie Römer. btb Verlag 2020, 640 S., € 24,-(La corsara. Ritratto di Natalia Ginzburg. Neri Pozza 2018, € 26,50)

Petrignani FReibeuterin_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergDie Schriftstellerin Natalia Ginzburg ist die bedeutendste Minimalistin der italienischen Literatur. In ihren Romanen, Erzählungen und Texten ist jedes Wort mit Bedacht gesetzt, erbarmungslos, aber gleichzeitig mit viel Ironie enthüllt sie menschliche Schwächen, die Verstrickungen in Familien, die Abgründe zwischen Frau und Mann. Ihre Bücher sind moderne Klassiker der Weltliteratur, Inspiration gerade für Autorinnen weltweit.
Doch was ist das Material, aus dem sie schöpfte? Wer war diese italienische Schriftstellerin, Übersetzerin, Lektorin, Journalistin, Politikerin, Mutter? Die gerade ins Deutsche übersetzte Biografie „Die Freibeuterin“ von Sandra Petrignani taucht tief in Ginzburgs wechselvolles Leben ein. Sie spannt den Bogen von ihrer Kindheit als ein bisschen übersehene Tochter in einer bürgerlichen jüdischen Familie über ihre Ehe mit Leone Ginzburg, dem charismatischen Intellektuellen und Mitbegründers des Einaudi Verlags, der von den Nazis zu Tode gefoltert wurde, ihren schmerzhaften schwierigen Neuanfang nach dem Krieg, die Bedeutung als weiblicher Schriftsteller bis zur Anerkennung als eine der ganz Großen des italienischen Geistes- und Kulturlebens.
Mit ihrem faszinierend breit angelegten Verfahren, eine Fülle von Beschreibungen, Zitaten, Quellen, literarischen Verweisen, von Gesprächen mit lebenden Zeitzeug*innen, von Ortsbesichtigungen, Assoziationen und Fragen zu verweben, ist Sandra Petrignani ein beeindruckendes Porträt Natalia Ginzburgs gelungen und regt noch einmal mehr an, Ginzburg selbst zu lesen! (Stefanie Hetze) Leseprobe

Das bestelle ich!

Sonntag, 4.11.

Luce D’Eramo „Der Umweg“ (Klett-Cotta) präsentiert von Reinhold Joppich

Cover_D'EramoLuce ist 18, begeisterte Faschistin und nicht überzeugt von den Nachrichten das nationalsozialistische Deutschland. Um sich selbst ein Bild zu machen, begibt sie sich 1944 freiwillig zu IG-Farben nach Höchst und kommt in weitere deutsche Arbeits- und Konzentrationslager. Sie erlebt ein zerbombtes und zerrüttetes Land. Am Ende verliert sie ihre körperliche Unversehrtheit, aber auch die Illusionen über eine zerstörerische Ideologie.
Der Verlag Klett-Cotta hat das wichtige Buch soeben neu aufgelegt. Der  Italienkenner Reinhold Joppich wird dessen Geschichte erzählen und von Luce D’Eramos Umwegen berichten.

wann? Sonntag, den 4. November 11.30 Uhr

Vorverkauf 6 € / 4 € – Tageskasse 8 € / 5 €

Im Rahmen der WUB = Woche der Unabhängigen Buchhandlungen.