Nigel Slater: Greenfeast: Frühling/Sommer

Aus dem Englischen von Sofia Blind, mit Fotografien von Jonathan Lovekin, Dumont Verlag 2020, 336 S., € 28,-

Slater_Nigel_Greenfeast_Frühling_Sommer_Danteperle_Dante_ConnectionDer britische Kochbuchautor Nigel Slater konnte selbst in seinem Gemüsekochbuch Tender bislang schwerlich auf Fleisch in seinen Rezepten verzichten. Doch auch er hat sich gewandelt und anhand seiner täglichen Notizen zu den Gerichten, die er sich zubereitet, ein wunderbar alltagstaugliches Grünes Gelage-Kochbuch geschaffen. Alle Rezepte brauchen höchstens 30 Minuten, sie sind keine starren Anleitungen, sondern verlockende Vorschläge, etwas auszuprobieren, sich auch einmal ein Sandwich mit unterschiedlichem Gemüse zusammenzustellen. In seiner unnachahmlichen Art, auch seine eigene Sprache aromatisch zu würzen, erzählt Slater von seinen eigenen Vorlieben und Gewohnheiten, zum Beispiel reifes Sommergemüse wie Auberginen seidig weich zu backen und mit einer Basilikum-Pinienkernsauce auf einem Blätterteig zu einer knusprigen Tarte zu verwandeln und dies alles ganz einfach im Ofen. Das regt schon beim Lesen die Geschmackssinne an! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Graham Swift: Da sind wir

Aus dem Englischen von Susanne Höbel, dtv 2020, 160 S., € 20,-

Swift_Graham_Da_sind_wir_danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungDas Cover, ein stark vergrößerter Papagei, zieht einen vielleicht nicht gleich an, doch dieser schmale Roman hat es in sich. Wir befinden uns auf unsicherem Boden, dem meerumtosten Pier von Brighton, Ende der Fünfzigerjahre, als nach dem harten Krieg, noch vor dem Fernsehzeitalter die Menschen im Varietétheater rasche Zerstreuung suchten. Jack, der Conférencier, liebt Evie, die hinreißende Assistentin und Verlobte seines Freundes, des Zauberers Ronnie. Während Ronnie als Pablo auf der Bühne versessen an der perfekten, nie dagewesenen Illusion arbeitet, hat Jack, der sich in den Zuschauerraum stiehlt, nur Augen für die schöne Evie. Der Autor Swift lässt dieses hochexplosive Dreieck nicht einfach befreiend auseinanderknallen, stattdessen lässt er Ronnie spurlos wie den Papagei (!) aus seiner Show verschwinden. Auch in den fünfzig Ehejahren von Jack und Evie taucht er nicht mehr auf, hat quasi mit seinem eigenen Verschwinden die höchste Stufe der Illusionskunst erreicht. Dabei würden wir doch wie bei einem Zauberer so gerne ganz viel von ihm wissen. Magisch hält Graham Swift diese Spannung in der Schwebe. Eine absolute Empfehlung. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Jonathan Coe: Middle England

Aus dem Englischen von Cathrine Hornung und Dieter Fuchs, Folio Verlag 2020, 480 S., € 25,-

Middle England_Coe_Cover.inddEngland zwischen 2010 und 2018. Eine Gruppe alter Freunde zwischen London und Birmingham, eher links orientierte Intellektuelle und ihre Familien, erleben und registrieren den schleichenden Wandel der Gesellschaft bis hin zum Brexit, die zunehmende Fremdenfeindlichkeit und Verbittertheit der Middleclass, die „Old England“ verklärt, der „Political Correctness“ den Kampf ansagt und die Grenzen des „öffentlich sagbaren“ nach und nach immer weiter verschiebt. Verschiedenste Episoden, dem Leben der Protagonisten über die Jahre folgend und spannungsreich miteinander verwoben, lassen einen intensiven Eindruck von der Stimmung im Land entstehen. Dabei ist Coes durchaus unterhaltsam-ironischer Roman kein ausschließlich auf England zu beziehendes Buch, sondern zum Verständnis der in ganz Europa erfolgten und noch erfolgenden sozial-politischen Entwicklung unbedingt lesenswert. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Barbara Pym: Vortreffliche Frauen

Aus dem Englischen von Sabine Roth, Dumont Verlag 2019, 320 S., € 20,-

Pym_Barbara_Vortreffliche_Frauen_Danteperle_Dante_ConnectionHeute kaum vorstellbar, aber Ende der Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts galt eine mit Anfang Dreißig noch unverheiratete Frau als Alte Jungfer, die froh sein musste, wenn jemand etwas von ihr wollte und sich mit ihr abgab. Mildred ist so eine Bedauernswerte, sie arbeitet ehrenamtlich für eine gemeinnützige Organisation, engagiert sich in ihrem Kirchenkreis und lebt ein unauffälliges, freudloses Leben im London der schwierigen Nachkriegszeit. Das Leben ist voller Entbehrungen, der Wohnraum knapp. So kommt es, dass ein Well-To-Do-Ehepaar in ihre enge Nachbarwohnung einziehen muss, er ein charmanter Marineoffizier und sie, eine kapriziöse Anthropologin, die zu Mildreds Entsetzen ihre eigene Arbeit und ihr eigenes Vergnügen an vorderste Stelle setzt. Da muss sich Mildred einfach um deren Haushaltsbelange und vor allem den armen vernachlässigten Mann kümmern. Auf einmal nimmt Mildreds Leben gehörig an Fahrt auf und werden wir heutigen Leser*innen mitten in die Diskussionen und Umwälzungen der Zeit katapultiert. Das geschieht mit viel Ironie und Feingefühl. Und in der geschliffenen Neuübersetzung von Sabine Roth ein großes Lesevergnügen. (Stefanie Hetze)

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Graham Swift: Ein Festtag

Aus dem Englischen von Susanne Höbel, dtv 2017, 142 S., € 18,00

Swift_Graham_Ein_Festtag_Danteperle_Buchhandlung_Dante_ConnectionIn einem England, in dem die Reichen die ersten Autos fahren, sich aber nur weibliches, da billiges Personal leisten, nutzen die Hausangestellte Jane und ihr Geliebter Paul, Sohn wohlhabender Eltern, die Gunst der Stunde. Am Mothering Sunday, dem Tag, an dem Dienstmädchen in ein paar freien Stunden ihre Mütter besuchen sollen und Pauls Eltern sich mit den Eltern seiner Verlobten treffen,  verbringen die zwei ungleichen Geliebten erstmalig Zeit bei ihm zu Haus. In seinem Zimmer, in seinem Bett, die Fenster sind weit geöffnet. Der geschenkte Vormittag beschert den beiden Liebenden Momente auf Augenhöhe, die die inzwischen 90 Jahre alte und berühmt gewordene Schriftstellerin Jane als Gedanken- und Inspirationsquelle ihr Leben lang begleiten. Raffiniert verzahnt Graham Swift das folgende dramatische Geschehen mit Janes Schicksal, ihrem Innenleben und Entwicklungen in der englischen Klassengesellschaft, und dies auf wunderbar knappen 140 Seiten. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Judith Barrington: Wiederbelebung

Erinnerungen. Aus dem Englischen von Ebba D. Drolshagen, edition fünf 2014, € 19,90

21_barrington_wiederbelebungJudith Barrington ist 19, als ihre Eltern 1965 bei einem Schiffsunglück ums Leben kommen. Zu jung, um mit dem Verlust bewusst umzugehen, verfällt sie in eine Starre der Trauer und flüchtet kurze Zeit später in einen Sommerjob  nach Spanien. Hier ist sie mit 1,80 m Körpergröße und ihren weißblonden Haaren so fremd, dass sie ihre innere Fremdheit äußerlich leben kann. Sie hat Affären mit zahllosen Männern, rast im Cabrio über kurvige Landstraßen und trinkt bis spät in die Nacht mit einer ansonsten ausschließlich männlichen Clique. Sie inszeniert sich als unabhängige Frau und tut alles, um nicht über sich selbst nachzudenken. Wie sie es schließlich schafft, sich ihrer eingenen Verzweiflung und Hilflosigkeit zu stellen und auch ihre Liebe zu Frauen für sich selbst zu akzeptieren, beschreibt Barrington in frischer, humorvoller und durchaus selbstironischer Weise. Dass gleichzeitig das Katalonien der sechziger Jahre ganz lebendig vor unseren Augen wiederersteht ist ein weiteres Plus dieses sehr lesenswerten Buches. (Syme Sigmund)
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Vivienne Westwood und Ian Kelly: Vivienne Westwood

vivienne-westood-ian-kelly_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzbergEichborn 2014, € 24,99.

Die 73jährige Designerin, Mitbegründerin des Punk, Aktivistin und Avantgardistin  Vivienne Westwood ist die zeitgenössische Ikone der Mode- und Popkultur – schillernd, exzentrisch und äußerst erfolgreich wie vor ihr nur Coco Chanel. Ihre  Autobiographie erzählt von ihrem überaus bewegten Leben, angereichert ist sie mit Fotos und Faksimiles, bietet damit neben dem großen Lesevergnügen Extragenuss.