Karosh Taha: Im Bauch der Königin

Dumont 2020, 250 S., € 22,-

csm_9783832183943_d4c18be1fbYounes, 17, hat sich einen Panzer zugelegt, nichts lässt er an sich ran, keiner legt sich mit ihm an. Dabei ist er immer korrekt, freundlich, will keine Angriffsfläche bieten, denn die bietet seine Mutter Shahira schon zur Genüge. Alleinerziehend, freizügig und selbstbewusst, von den Männern begehrt und umgarnt, von den Frauen gehasst, ist sie stete Provokation in der traditionellen kurdisch-irakischen Community irgendwo im Ruhrgebiet.
Zwei teils entgegengesetzte, teils einander in Motiven spiegelnde Geschichten enthält dieses Wendebuch, zwei mögliche Realitäten, erzählt von Younes Freunden Raffiq und Amal. Doch welche Richtung die Handlung auch nimmt, immer sind die Jugendlichen mit Shahiras provozierender und befreiender Gegenwart konfrontiert und müssen am Ende ihre eigenen Entscheidungen treffen.
Ein raffiniertes Spiel mit Erwartungen und Vorurteilen sowie ein ungekünstelter Blick auf die vielschichtigen Herausforderungen an die junge Generation, die zwischen den Kulturen und Geschlechterrollen ihre eigene Identität sucht. (Syme Sigmund) Leseprobe

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Nigel Slater: Greenfeast: Frühling/Sommer

Aus dem Englischen von Sofia Blind, mit Fotografien von Jonathan Lovekin, Dumont Verlag 2020, 336 S., € 28,-

Slater_Nigel_Greenfeast_Frühling_Sommer_Danteperle_Dante_ConnectionDer britische Kochbuchautor Nigel Slater konnte selbst in seinem Gemüsekochbuch Tender bislang schwerlich auf Fleisch in seinen Rezepten verzichten. Doch auch er hat sich gewandelt und anhand seiner täglichen Notizen zu den Gerichten, die er sich zubereitet, ein wunderbar alltagstaugliches Grünes Gelage-Kochbuch geschaffen. Alle Rezepte brauchen höchstens 30 Minuten, sie sind keine starren Anleitungen, sondern verlockende Vorschläge, etwas auszuprobieren, sich auch einmal ein Sandwich mit unterschiedlichem Gemüse zusammenzustellen. In seiner unnachahmlichen Art, auch seine eigene Sprache aromatisch zu würzen, erzählt Slater von seinen eigenen Vorlieben und Gewohnheiten, zum Beispiel reifes Sommergemüse wie Auberginen seidig weich zu backen und mit einer Basilikum-Pinienkernsauce auf einem Blätterteig zu einer knusprigen Tarte zu verwandeln und dies alles ganz einfach im Ofen. Das regt schon beim Lesen die Geschmackssinne an! (Stefanie Hetze) Leseprobe

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Turit Fröbe: Alles nur Fassade?

mit 500 farbigen Abb., Dumont 2018, 176 S., € 20,-

Fröbe_Turit_Alles_nur_Fassade_Dante_ConnectionDie meisten von uns gehen gerade im Alltag durch vertraute Umgebungen, ohne wirklich zu schauen. Die praxiserfahrene Architekturhistorikerin Turit Fröbe legt mit ihrem Bestimmungsbuch für moderne Architektur gut strukturiertes Werkzeug vor, wie sich anhand von Fenstern, den „Augen der Architektur“, sowie dem Einsatz von Materialien, Formen und Farben Gebäude einschätzen lassen. Es macht enormen Spaß, mit dem Führer durch die Stadt zu laufen und gerade auch „hässliche Häuser“ eingehend anzusehen! Eine tolle Ergänzung für die tägliche Sehschulung ist Fröbes „Abrisskalender 2020″ (Dumont € 18,-) (sh) Blick in den Kalender

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Yvonne Adhiambo Owuor: Der Ort, an dem die Reise endet

Aus dem Englischen von Simon Jakob, Dumont 2016, € 22,99

Owuor-Der-Ort-an-dem-die-Reise-endetDanteConnectionDanteperleDer junge Odidi Oganda wird 2007 während der auf die Wahlen folgenden Unruhen in Nairobi erschossen. Auf der Familienranch im Norden Kenias versammeln sich die Hinterbliebenen: Odidis Schwester Ajany, die seit Jahren in Brasilen lebt, der Vater Nyipir, ein ehemaliger Polizist, und die Mutter Akai-ma. Alle drei versuchen die Trauer auf ihre eigene Art zu verarbeiten und jeder  muss sich schließlich den eigenen Gespenstern der bis in die Kolonialzeit reichenden Vergangenheit stellen, die unter einem Mantel des Schweigens verborgen lagen. Meisterlich, in mannigfaltigen Sprachregistern, die von einem “westlichen” Ton bis zu hypnotisch-gesanglich wirkenden Sprachrhythmen reichen, die an die afrikanische Erzähltradition angelehnt sind, entfaltet Owuor nach und nach die Familiengeschichte, in der keiner frei ist von Schuld und die eng mit der kenianischen Geschichte verwoben ist. Ein Roman, der den Leser in den Bann schlägt und die vielschichtigen Verhältnisse und die verschlungene Geschichte des Landes greifbar werden lässt. Nach diesem großen Erstlingswurf darf man hoffentlich auf mehr von dieser in ihrer Heimat schon preisgekrönten Autorin zu hoffen wagen. (Syme Sigmund)

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Mohsin Hamid: So wirst du stinkreich im boomenden Asien

Aus dem Englischen von Eike Schönfeld, Dumont 2013, € 18,99, tb dumont 2015, € 9,99

hamid-so-wirst-du-stinkreich-im-boomenden-asien_danteperle_dante_connection-buchhandlung-berlin-kreuzberg“Zieh in die Stadt”, “Verschaff dir Bildung”, “Verlieb dich nicht” – so lauten die ersten drei Kapitelnamen dieses wunderbaren Romans aus Pakistan, der einerseits Entwicklungsroman ist,der die Geschichte eines Jungen aus ärmlichsten Verhältnissen erzählt, der im Laufe seines Lebens tatsächlich stinkreich wird. Verpackt ist diese Geschichte andererseits, und wie die Kapitelnamen andeuten, im Gewand eines Selbsthilfebuches. Alles zielt hin zum Erfolg des großen Geldes und zwar um jeden Preis und mit allen Mitteln, heißt von Manipulation über Korruption bis hin zu Gewalt. Darüberhinaus liest sich der Roman als eine anrührende Liebesgeschichte und als Gesellschaftssatire über das heutige Pakistan. Und dank des turbulent tragikomischen Erzähltons jagt man mit dem Protagonisten durch ein ganzes Leben im boomenden Asien, in dem das Geld dann eben doch auch nicht alles ist. (Jana Kühn) Leseprobe