… für versponnene Architekten

Philip Wilkinson: Atlas der nie gebauten Bauwerke
Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff, dtv 2018, 256 S., € 30,-

Atlas der nie gebauten Bauwerke_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergEine Stadt auf zwei Ebenen, eine Walking City, riesige Hochhäuser oder eine Glaskuppel, die Manhattans überspannt, erdacht von großen Visionären wie Leonardo da Vinci, Schinkel oder Mies van der Rohe, alles Gebäude, die geplant aber nie realisiert wurden. Eine kurzweilige Reise durch die Baugeschichte und ihre kühnsten Entwürfe. (Syme Sigmund)

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Alex Bell: Der Polarbären-Entdeckerclub

Aus dem Englischen von Sibylle Schmidt, FISCHER Sauerländer 2018, 336 S., € 16,-, ab 10

Bell_Polarbärenentdeckerclub_DanteConnection_DanteperleStella ist eine verwegene Schneewaise und beste Freundin von Beanie einem nerdig schüchternen Halbelf. Mit Shay einem freundlich mysteriösen Wolfsflüsterer finden sie genauso gute Gesellschaft wie sie mit Ethan einem schnöseligen Fiesling nicht schlechter geraten sein könnte. Oder? Vor allem sind sie aber nun mal das Junior-Team einer gefährlichen Expedition ins Eisland.  Alex Bell jongliert für seine vier Protagonisten mächtig mit Geschlechterklischees und vereint so wunderbar gelungen manch gemeinhin Gegensätzliches in seinen Figuren. So bekommt Stella zum Geburtstag Zauberblumen, die geöffnet rosafarbene Kuchenhäppchen in Form kleiner Einhörner enthalten – wow! Genauso gern würde sie jedoch ihren Vater bei seiner nächsten gefährlichen Polarexpedition begleiten. Was Frauen, erst recht Mädchen aber nicht gestattet ist. Ihr Vater setzt sich durch und gemeinsam mit besagter Junior-Forschergruppe  erlebt Stella das Abenteuer ihres Lebens. Die Reise ins Eisland erinnert an die großen Polarexpeditionen des 19. und 20. Jahrhunderts und greift dennoch tief in die Fantasy- und Märchenkiste, was eine mitreißende Mischung ergibt. Feinstes Lesefutter! (Jana Kühn)

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Kathleen Collins: Nur einmal. Storys

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit und Volker Oldenburg. Mit einem Nachwort von Daniel Kampa und Cornelia Künne, Kampa Verlag 2018, 188 S., € 20,-

Collins_Nur_einmal_DanteConnection_DanteperleEine Aufbruchsstimmung ließ im New York der frühen Sechziger Jahre vieles möglich erscheinen: Bürgerrechte, Selbständigkeit und  Aussichten auf mehr Freiheit und Erfolg, bis dato undenkbar für junge schwarze Frauen. Auch glückliche Liebesbeziehungen zwischen Schwarzen und Weißen schienen auf einmal realistisch.  In diesem aufregenden Klima der Hoffnungen und Erwartungen siedelt Kathleen Collins ihre Geschichten an. Mit an ihrer Filmausbildung geschulten rasanten Perspektivwechseln, Schnitten und schnellen Dialogen kommt sie in ihren Storys sofort auf den Punkt, ist mittendrin im Leben und in den Gefühlen ihrer meist schwarzen Protagonistinnen. Ganz fein lotet sie die Spannungsverhältnisse zwischen Herkunft, Geschlecht und Hautfarbe aus und ist damit ihrer Zeit weit voraus.  Als afroamerikanische intellektuelle Künstlerin und Aktivistin hat Kathleen Collins erfahren müssen, wie die eigenen Vorhaben und Träume zerplatzten. Zum Glück für uns haben ihre unveröffentlichten Erzählungen  in einer Kiste überlebt und sind nun in all ihrer Brisanz und Unmittelbarkeit für uns zu entdecken. (Stefanie Hetze)

Film über Kathleen Collins

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Annie Ernaux: Erinnerung eines Mädchens

Aus dem Französischen von Sonja Finck, Suhrkamp Verlag 2018, 164 S., € 20,-

Ernaux_Annie_Erinnerung_eines_Mädchens_Dante_Connection_Buchhandlung_Danteperle1958 betrat Annie Duchesne, die einzige behütete Tochter von Besitzern eines Kramladens und eine sehr gute katholische Schülerin, eine völlig neue Welt: eine lockere Ferienkolonie, in der die anderen Betreuer, die schon studierten und überwiegend aus der gehobenen  Mittelschicht stammten, es sich selbstverständlich gutgehen ließen. Das, was ihr dort als Achtzehnjährige widerfuhr, wie sie ihr sexuelles Begehren entdeckte und gnadenlos ausgenutzt und verhöhnt wurde, vergrub sie tief in ihrem Innersten. Erst 2014 nähert sich die Schriftstellerin Annie Ernaux dem Mädchen aus ihrer Vergangenheit an, indem sie dieses frühere Ich wie eine ganz Andere betrachtet. Von außen, mit Hilfe von Fotos, Briefen und weiteren Materialien beschreibt sie ihr Äußeres, die Orte und Abläufe des Geschehens und vergleicht sie mit dem, was in ihrem Gedächtnis hängengeblieben ist. Mit diesem speziellen Verfahren geht sie weit über die Rekonstruktion einer persönlichen Geschichte hinaus, sondern macht sehr anschaulich, wie sich einzelne Ereignisse, verstärkt durch ungleiche Machtverhältnisse, ein Leben lang auswirken können und wie sich das anfühlt. Eine unbedingte Empfehlung. (Stefanie Hetze)

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WUB – Die Woche der unabhängigen Buchhandlungen

Vom 3. bis 10. November findet die WUB – die Woche der unabhängigen Buchhandlungen statt.

Eine Woche lang zeigen sich 700 unabhängige Buchhandlungen („Indies“) in ganz Deutschland buchstäblich von ihren schönsten Seiten. Es handelt sich um die größte derartige Aktion, die es jemals gab.

Inhabergeführte Buchläden sind nicht wegzudenken aus unseren Städten und Regionen. Ihr Beitrag zum wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben ist von beachtlicher Bedeutung. Das ist für diejenigen, denen diese Bedeutung längst klar ist, ein guter Grund zu feiern – und für alle anderen eine schöne Gelegenheit zu erfahren, dass es es gute Bücher auch ganz in der Nähe gibt.

Auch wir beteiligen uns und zwar mit zwei Aktionen:

Samstag, 3.11. – Autorensamstag

11 Uhr mit Eva Muszynski und Karsten Teich

Muszinsky_Teich Samstagvormittag werden Eva Muszynski und Karsten Teich Kinder und Erwachsene beraten sowie ihre tollen eigenen Bücher signieren. Was wohl der Cowboy Klaus und seine Entourage dazu sagen? Wir jedenfalls sind aus dem Häuschen vor Freude über diese Unterstützung!

 

 

 

 

 

16 Uhr mit Sarah Schmidt

schmidt_sarah(c)MatthiasFjuhrerSarah Schmidt, deren „Danteperle“ „Eine Tonne für Frau Scholz“ wir heiß und innig lieben, wird uns anlässlich des Autorinnensamstags besuchen und nicht nur ihre eigenen Bücher verkaufen. Diese sind im Verbrecher Verlag und bei Insel erschienen. Wir freuen uns sehr über diesen besonderen Gast!

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 4.11. Luce D’Eramo „Der Umweg“ (Klett-Cotta) präsentiert von Reinhold Joppich

Cover_D'EramoLuce ist 18, begeisterte Faschistin und nicht überzeugt von den Nachrichten das nationalsozialistische Deutschland. Um sich selbst ein Bild zu machen, begibt sie sich 1944 freiwillig zu IG-Farben nach Höchst und kommt in weitere deutsche Arbeits- und Konzentrationslager. Sie erlebt ein zerbombtes und zerrüttetes Land. Am Ende verliert sie ihre körperliche Unversehrtheit, aber auch die Illusionen über eine zerstörerische Ideologie.
Der Verlag Klett-Cotta hat das wichtige Buch soeben neu aufgelegt. Der  Italienkenner Reinhold Joppich wird dessen Geschichte erzählen und von Luce D’Eramos Umwegen berichten.

Vorverkauf 6 € / 4 € – Tageskasse 8 € / 5 €

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Sonntag, 4.11.

Luce D’Eramo „Der Umweg“ (Klett-Cotta) präsentiert von Reinhold Joppich

Cover_D'EramoLuce ist 18, begeisterte Faschistin und nicht überzeugt von den Nachrichten das nationalsozialistische Deutschland. Um sich selbst ein Bild zu machen, begibt sie sich 1944 freiwillig zu IG-Farben nach Höchst und kommt in weitere deutsche Arbeits- und Konzentrationslager. Sie erlebt ein zerbombtes und zerrüttetes Land. Am Ende verliert sie ihre körperliche Unversehrtheit, aber auch die Illusionen über eine zerstörerische Ideologie.
Der Verlag Klett-Cotta hat das wichtige Buch soeben neu aufgelegt. Der  Italienkenner Reinhold Joppich wird dessen Geschichte erzählen und von Luce D’Eramos Umwegen berichten.

wann? Sonntag, den 4. November 11.30 Uhr

Vorverkauf 6 € / 4 € – Tageskasse 8 € / 5 €

Im Rahmen der WUB = Woche der Unabhängigen Buchhandlungen.

 

Maxim Biller: Sechs Koffer

Kiepenheuer & Witsch 2018, 198 S., € 19,-

Biller_Maxim_Sechs_Koffer_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungEin schmales handliches Buch über eine Familie und ein Geheimnis, das es in sich hat! Der Großvater, der denunziert und 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde, fiel offensichtlich dem Verrat eines Mitglieds seiner eigenen Familie zum Opfer. Jede dieser sechs Personen hätte gute Gründe gehabt, es gewesen sein zu können, aber dann auch wieder gar nicht. Gewiss ist nichts in dieser jüdischen Familie, die  nach Prag und später nach Deutschland fliehen musste und danach quer in der Welt verstreut war, immer neue Sprachen und Anpassungs- und Überlebensstrategien im Gepäck.  Dass ihre Koffer nicht zu schwer werden, dafür hat Maxim Biller gesorgt. Mit großer Virtuosität und scheinbar mühelos gibt er seinen Personen Raum, hält die Widersprüche lebendig und macht dazu neugierig auf die Perspektive und das Buch seiner Schwester Elena Lappin: „In welcher Sprache träume ich?“. (Wer noch tiefer in den billerschen Familienkosmos eintauchen mag, dem seien die Bücher ihrer Mutter Rada Biller empfohlen.)  (Stefanie Hetze)

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Valija Zinck: Drachenerwachen

Illustriert von Annabelle von Sperber. Fischer KJB Verlag 2018,  320 S., € 14,-, ab 10

Zinck_Drachenerwachen_DanteConnection_DanteperleJanka und Johann hatten noch nie viel mit ihrer Nachbarin Frau Tossilo zu tun, denn eigentlich ist die Dame ziemlich unfreundlich. Das ändert sich schlagartig als sie per Zufall zur Drachenmutter wird … denn ja, mitten in Berlin schlüpft ein Drachenbaby. Es wächst mächtig heran, bringt die drei Nachbarn einander näher und ihr Leben vor allem gehörig durcheinander. Was mit dem humorvollen Charme einer Sams-Geschichte beginnt, entwickelt sich schnell zum großen Abenteuer: Ein internationaler Energiekonzern hatte mit dem Drachen große Pläne und fordert ihn deshalb um jeden Preis zurück. Valija Zinck sprüht mit spannenden Erzählideen wie ein Drache mit Feuer. Alltägliche, fantastische und futuristische Elemente verwebt sie zu einer temporeichen Geschichte. Als unterschiedliche Charaktere entworfen und bestens auf Augenhöhe vereint, kämpfen die Geschwister um die Rettung ihres besonderen Freundes. Und zwischen den Zeilen liest man so einerseits facettenreich von großer Zuneigung, anderseits von der Unermesslichkeit menschlicher Gier. Fortsetzung folgt im Frühjahr 2019 … (Jana Kühn)

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Donnerstag, 25.10.

Iunona Guruli: Wenn es nur Licht gäbe, bevor es dunkel wird (btb)

Guruli(c)Rusudan TabukashviliZum Buchmesseschwerpunkt des Gastlandes Georgien ist die in Berlin lebende Autorin und Übersetzerin Iunona Guruli bei uns zu Gast!

 

Ihre Geschichten sind wie wundersame Filme, sehr verdichtet und voller Schmerz, Liebe und Hoffnung, entspinnen sich in irritierenden Auslassungen. Ihre Erzählungen bringen die Zerrissenheit der georgischen Jugend zum Strahlen und machen Iunona Guruli zu einer der aufregendsten weiblichen Stimmen der georgischen Gegenwartsliteratur.

Moderation: Irine Beridse

wann? Donnerstag, 25. Oktober um 20.15 Uhr
wo? in unserer Buchhandlung

Vorverkauf 6 € / 4 €
Abendkasse 8 € / 5 €

Die Lesung findet mit freundlicher Unterstützung des Georgian National Book Center statt. Wir bedanken uns sehr herzlich!

Anneliese Mackintosh: Verdammt perfekt und furchtbar glücklich

Aus dem Englischen von Gesine Schröder, Blumenbar 2018,  400 S., € 20,-

Verdammt_perfektNichts im Leben von Ottila McGregor ist perfekt, von Glück kann keine Rede sein. Seit dem plötzlichen Tod ihres Vaters hat sie jeden Halt verloren. Das schlechte Gewissen plagt sie, zu weit weg von ihrer psychisch kranken Schwester zu leben und ihre Mutter mit zu vielen Sorgen allein zu lassen. Die Affäre mit ihrem verheirateten Chef ist eine komplette Katastrophe, wobei sie ihre Arbeit in einem Krebs-Therapiezentrum ohnehin genug belastet. Aus all diesen Gründen trinkt Ottila, nein, sie säuft regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit. Dann kommt Das kleine Buch vom Glück ins Spiel. Von Anfang an kann Ottila es nicht ausstehen. Auf halbleeren Seiten versammelt es in ihren Augen debile Kalendersprüche à la „Eine Freude vertreibt hundert Sorgen“. Dennoch behält sie es und formt daraus eine Art Tagebuch, indem sie Seiten herausreißt und neue hinein klebt. Diese Textcollage liest man mit. Sie besteht aus Kurznachrichten, E-Mails, Zeitungsartikeln, Drehbuchentwürfen und nicht zuletzt transkribierten Therapiegesprächen. Vielstimmig und stilistisch verschieden erzählt Anneliese Mackinstosh auf diese Weise. Verzweifelt geht es zu, aber auch urkomisch, immer geradeheraus und vor allem warmherzig – darin liegt der besondere Reiz dieses Tagebuches. Denn ja, Ottila versucht es: Trocken und endlich glücklich zu werden. (Jana Kühn)

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