Jérôme Ferrari: Nach seinem Bilde

Aus dem Französischen von Christian Ruzicska, Secession Verlag 2019, 208 S., € 20,-

FerrariAntonia, eine junge Fotografin, verunglückt auf dem Weg in ihr korsisches Heimatdorf tödlich.
Ihr Onkel, ein Priester, hält die Totenmesse. Im Laufe der Begräbnis-Liturgie – deren einzelne Stationen auch das Buch in Kapitel strukturieren – erinnert er sich an seine Nichte, die sich als junges Mädchen in einen militanten Kämpfer der korsischen Unabhängigkeitsbewegung FLNC verliebt und später als Kriegsfotografin nach Bosnien geht.
Anhand der fiktionalen Fotografien seiner Protagonistin zeichnet Ferrari die Lebensgeschichte Antonias nach, für die es irgendwann nur noch zwei Kategorien der Fotografie gibt, jene, die nicht hätte existieren dürfen, da sie die unerträgliche Brutalität der Welt zeigt, und solche, die so banal ist, dass sie nicht verdient zu existieren, aber auch die Geschichte der FLNC und der Kriegsfotografie als Dokument des Todes und der Gewalt, bis mit den Drohnen „der Tod verblasst und sich im Raum einer virtuellen Welt aufhebt“. Dem Autor ist ein philosophisch-literarisches Kleinod über die Abgründe des Menschlichen gelungen, ein Text, der den Leser mit dichter Atmosphäre und sprachlicher Brillanz zu fesseln vermag. (Syme Sigmund)

Das bestelle ich!

 

 

Géraldine Schwarz „Die Gedächtnislosen“ (Secession) Termin muss leider verschoben werden!

 


geraldine_schwarz_200x300_cmathias_bothor_kopie
© Mathias Bothor

Géraldine Schwarz entdeckt eines Tages, dass ihr deutscher Großvater, ein Mitglied der NSDAP, 1938 ein jüdisches Unternehmen in Mannheim im Zuge der Arisierung erworben hat. Nach dem Krieg weigert er sich, dem einzigen Überlebenden der in Auschwitz ermordeten Fabrikantenfamilie, Julius Löbmann, Reparationen zu zahlen. Hier beginnt ihre Recherche über drei Generationen ihrer Familie, dabei stets mit der Frage, wie die Verwandten und andere sich der Vergangenheit stellten – auch in Frankreich, denn bald erfährt die Autorin, dass ihr Großvater mütterlicherseits unter dem Vichy Regime in einem Gebiet als Gendarm gedient hat, in dem Franzosen mit Razzien nach Juden suchten. Die Gedächtnislosen  ist ein sehr persönliches Werk der Erinnerungskultur. Mit beispielhafter Sorgfalt plädiert dieses Buch für eine Fortführung der Gedächtnisarbeit, um den völkischen und nationalistischen Tendenzen entgegenzuwirken. Eines der besten und gleichzeitig provozierendsten Beispiele dieser Arbeit liefert es selbst.

Moderation: Géraldine Schwarz‘ deutscher Verleger und Übersetzer Christian Ruzicska

        

wann?         Mittwoch,  4.12. um 20 Uhr es wird einen anderen Termin geben, demnächst hier!!

wo?              bei uns in der Buchhandlung Dante Connection

Karten?      8 € / 5 €

Géraldine Schwarz über ihr Buch bei Arte