Piotr Karski: Meer! Das Wissens- und Mitmachbuch

Aus dem Polnischen von Marlena Breuer. Moritz Verlag, 224 S., € 19,-, ab 8

Karski_Piotr_Meer!_Danteperle_Dante_Connection_Deutscher_BuchhandlungspreisOstsee und Nordsee sind nicht weit entfernt, auch an einem Binnensee ist es nützlich, verschiedene Seemannsknoten machen zu können oder die Windstärken richtig einzuschätzen.  Wie wäre es, eine Sanduhr zu bauen oder gleich eine Entsalzungsanlage…?  Dieses Buch ist wie eine riesige Schatzkiste voller Informationen und Anregungen für größere Kinder (und Erwachsene!), sich  rund um das weltumspannende Thema Meer zu beschäftigen, zu testen, zeichnen, basteln und auszuprobieren. Auch an Land einfach toll! (sh)

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Blick ins Buch

Marisha Pessl: Niemalswelt

Aus dem Amerikanischen von Claudia Feldmann, Carlsen 2019, 384 S., € 18,-, ab 14

Marisha_Pessl_Niemalswelt_Danteperle_Dante_Connection Buchhandlung Berlin KreuzbergEs geht um Bee. Nach dem Tod ihres Freundes Jim hat sie sich zurückgezogen und ihre sozialen Kontakte abgebrochen. Ein Jahr später wird sie von vier ihrer alten Freunde zu einem Wochenende in Wincroft eingeladen. Dort angekommen fahren sie alle zu einem Konzert. Da wird natürlich getrunken, weshalb sie auf dem Rückweg nur knapp einem Autounfall entgehen. Zurück in Wincroft klingelt ein alter Mann. Er teilt ihnen mit, der Unfall wäre wirklich passiert und nur einer hätte überlebt. Welcher der Fünf überleben soll, müssten sie selbst abstimmen mit maximal einer Gegenstimme. Bis sie das geschafft haben, müssten sie die gleichen 11,2 Stunden immer wieder erleben. Doch inwiefern unterscheidet sich die Niemalswelt von der normalen und können alle der Niemalswelt widerstehen?
Ein spannendes Buch mit einem unerwarteten Ende. Auch fühlt man mit Bee mit, was das Buch ebenfalls etwas emotional macht. (Konni 14 Jahre, Schülerpraktikant Januar 2019)

Leseprobe

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Eymard Toledo: Juju und Jojô

Übersetzt von Michael Kegler, Baobab Books 2019, 32 S., € 17,-, ab 5

42_Toledo_Eymard_Jojo_und_Juju_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungDie Zwillinge Juju und Jojô leben in einer großen Stadt in Brasilien. Als die beiden jünger waren, pflanzte ihr Vater vor dem Haus einen Baum, der heute schon fünf Stockwerke hochgewachsen ist und als einziges Biotop der Straße vielen Insekten als Zuhause dient. Darüber freut sich besonders Jojô, die sich für alles begeistert, was da kreucht und fleucht!  Eymard Toledo begeistert einmal mehr mit ihren detailreichen Materialcollagen, in denen sie Kindern Einblicke in den Alltag einer hierzulande nur wenig bekannten Landeskultur bietet. (jk)

Kirsten Bradley & Aitch (Illustr.): Grüner wird´s nicht!

Übersetzt von Andreas Bredenfeld, Kleine Gestalten 2019, 48 S., € 14,90, ab 6

Gestalten_Grüner_Danteperle_DanteConnectionDas Buch für kleine Gärtner erklärt in malerischen, sehr farbenfrohen Bildern und knappen, kindgerechten Step-by-Step-Erläuterungen, wie man nachhaltig Projekte im eigenen Garten, auf der Fensterbank oder im Hinterhof umsetzen kann. Da werden aus Zeitungen und Milchtüten Blumentöpfe recycelt und noch so manch anderes Material, das man sowieso meist zuhause hat. Samenbomben, Bohnenzelte und Insektenhotels – der grünen Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt! (jk)

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Helen Weinzweig: Schwarzes Kleid mit Perlen

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit, Verlag Klaus Wagenbach 2019, 192 S., € 22,-

Weinzweig_Helen_Schwarzes_Kleid_mit_Perlen_Danteperle_Danteconnection_BuchhandlungEine Frau, die Mann und Kinder verlassen hat, wartet in einem Hotel in Toronto auf ihren langjährigen Geliebten. Sie weiß nicht, ob er kommt, wann er eintrifft und in welcher Verkleidung er auftaucht.  Er ist in wichtigster Geheimmission unterwegs, es darf weder Anrufe noch schriftliche Dokumente geben, die auf ihre Beziehung hindeuten. In National Geographic Heften versteckt er kryptische Hinweise, mit denen sie ihr mögliches nächstes Treffen irgendwo auf der Welt erraten muss. Eine eigentlich unerträgliche Situation, besonders für die heutige Leserin.
Doch belässt es Helen Weinzweig, die diesen Roman mit 65 Jahren Lebenserfahrung veröffentlichte, nicht bei der Schilderung einer verlangenden passiven Frau mit Perlenkette. Ihre ineinanderfließenden Erinnerungen, Phantasien und vielleicht realen Begegnungen mit Menschen in heruntergekommenen Häusern, Läden und Fabriken überschreiten bei weitem die enge Welt der Hotellobbys, Bars und Museen einer Geliebten. Der Heldin erschließen sie Spiel- und Handlungsräume weit weg vorgezeichneter Konventionen inklusive einer verblüffenden Stippvisite bei ihrem Ehemann. Wie schön, dass Wagenbach diesen feministischen Klassiker aus Kanada hierzulande zugänglich gemacht hat. (Stefanie Hetze)

Leseprobe

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Isabelle Lehn: Frühlingserwachen

S. Fischer Verlag  2019, 256 S., € 21,-

Lehn_Frühlingserwachen_Danteperle_DanteConnectionMit 37 verbringt man statistisch betrachtet die wohl glücklichste Zeit seines Lebens, heißt es in Isabelle Lehns zweitem Roman „Frühlingserwachen“. Ist das so?, fragt ihre Protagonistin zweifelnd und damit auch die Autorin selbst. Denn was Lehn hier vorlegt, ist ein literarisches Vexierspiel, indem sie um ihre vermeintlich eigene Identität kreist. Isabelle Lehn ist und lebt, worüber sie schreibt – oder eben auch nicht. Doch eigentlich geht es weniger darum wer sie ist, sondern um das was: Es geht darum Frau zu sein, Autorin, Freundin, Geliebte, vielleicht Mutter und es geht um Depressionen und Selbstzweifel, die wie die dunkle Rückseite der ganzen schönen Frühlingsgefühle aus dem Boden zu schießen scheinen. Das sind oft nicht unbedingt leichte Themen, doch werden sie derart klug, offen und selbstironisch erzählt, dass man die Autorin/Protagonistin gern durch Bars und Badezimmer, zu Lesungen und Therapiesitzungen und sogar in den Zoo begleitet. (Jana Kühn) Leseprobe

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Attica Locke: Bluebird, Bluebird

Aus dem Amerikanischen von Susanna Mende, Polar Verlag,  327 S., € 20,-

Locke_Attica_Bluebird,_Bluebird_Danteperle_Dante_ConnectionEin Kaff in der tiefsten Provinz in Texas mit nur einem Café, in das die Schwarzen gehen, und einer Bar für Weiße, dem Treffpunkt der „Aryan Brotherhood of Texas“. Dazu der Highway durch den Ort, der außer dem Café der schwarzen Genoveva komplett einem Weißen gehört. Das ist das Setting, an dem zwei Morde passieren, der erste an einem unbekannten Schwarzen, einem durchreisenden  BMW-Fahrer in städtisch-teuren Klamotten, der zweite an einer jungen weißen Kellnerin, die mit einem Redneck verheiratet war. Der hiesige  Sheriff interessiert sich nur für den Mord an der blonden Weißen. Selbstverständlich ist jeder hier bewaffnet und lässt sich nicht in die eigenen Karten gucken, wie Darren Matthews, der übergeordnete schwarze Gesetzeshüter, ein eigentlich suspendierter Texas Ranger, schnell feststellt.
Was sich aus dieser hochexplosiven Gemengelage und den vielen Erscheinungsformen von Rassismus, von Hass, Angst und Gewalt entwickelt, ist leider erschreckend aktuell. Was diesen Krimi jedoch atemberaubend macht, ist wie die Autorin die Wucht alter und neuer Liebes- und Familiengeschichten mit den sozialen Beziehungen in einem zutiefst rassistischen Land verzahnt. (Stefanie Hetze)

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Katharina Mevissen: Ich kann dich hören

Wagenbach Verlag, 168 S. mit Playlist zum Buch, € 19,-

Mevissen_katharina_Ich_kann_dich_hören_Dante_Connection_Buchhandlung_DanteperleNach außen hin scheint alles zu stimmen. Osman studiert relativ erfolgreich Cello, er spielt Fußball, wohnt in einer WG und bandelt mit einer Mitbewohnerin an – ein Studentenleben eben. Doch hinter der Oberfläche kratzt es gehörig. Ohne Kontaktlinsen sieht er schlecht. Sein Dozent bescheinigt ihm eine gute Spieltechnik, aber emotionale Schwachstellen. Mit seinem Vater, einem Profimusiker, will er keinen Kontakt mehr, seiner Tante, seiner Ziehmutter, hört er nicht richtig zu und erzählt nichts von sich. Auch mit seiner Mitbewohnerin kommt er sich nicht wirklich näher. Erst der Zufallsfund eines besprochenen Diktiergeräts bringt ihn dazu, mal jemandem wirklich zuzuhören. Was er da aus einem anderen Leben mitkriegt, dem einer Frauenstimme und ihrer gehörlosen Schwester, lässt ihn nicht los und öffnet ihm die Ohren für sein eigenes Umfeld.
Um das Nichtzuhören, Nichthören und Zuhören, um Stimmen,  Töne und Schweigen, um Musik und Stille  kreist Katharina Mevissens faszinierender Roman, ein Debütschatz. (Stefanie Hetze)

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Julya Rabinowich: Hinter Glas

Hanser Verlag 2019,  200 S., ab 14 ,€ 16,-

Rabinowich_Hinter Glas_DanteperleAlice wohnt mit ihren Eltern in einer großen Villa. Ihr Großvater ist ein wohlhabender Mann, der die Macht über die Familie hat und diese tyrannisiert. Alice hat keine Freunde. In der Schule wird sie gemobbt. Doch dann kommt Niko neu in die Klasse. Der braungebrannte Junge, der das Leben als Abenteuer nimmt und unglaublich viel zu erzählen hat, macht sie glücklich. Zusammen mit ihm fühlt sie sich stark. Alice hat genug von ihren schwierigen Familienverhältnissen und sieht ihre einzige Chance darin, zusammen mit Niko abzuhauen. Ein langer Sommer ohne Zeitgefühl, doch Niko verändert sich zunehmend. Alice muss entscheiden, was das Richtige ist und was sie überhaupt will …
Ein unglaubliches Buch, das die Entwicklung der Persönlichkeit einer Jugendlichen innerhalb eines Sommers hervorragend zeigt und wie viel Kraft es kostet Nein zu sagen. Außerdem wunderschön geschrieben, man fühlt sich ab der ersten Seite mit den Charakteren verbunden. Sollte man unbedingt gelesen haben! (Rosa, Schülerpraktikantin, Januar 2019)

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A.L. Kennedy: Süßer Ernst

Aus dem Englischen von Ingo Herzke und Susanne Höbel, Hanser Verlag 2018, 560 S., € 28,-

Kennedy_A._L._Süsser_Ernst_Danteperle_Dante_Connection_BuchhandlungWas für ein Buch – ein Tag und eine Nacht, zwei Protagonisten mit ihren Nöten und Träumen, dazu jede Menge Streiflichter auf Menschen in der rastlosen Megastadt London! Jon ist ein Mann „alter Schule“, ein hoher Regierungsbeamter, der desillusioniert von seiner Arbeit und verlassen von seiner Frau, fremden Frauen in ihrem Auftrag einfühlsam-förmliche Liebesbriefe schreibt. Meg ist tief gefallen, als Alkoholikerin hat sie ihre Lizenz als Wirtschaftsprüferin verloren. Seit einem Jahr ist sie trocken und versucht sich als Buchhalterin in einem Tierheim bei knappstem Lohn in der überteuerten feindlichen Großstadt durchzuschlagen. Sie erliegt dem Zauber Jons altmodisch-feinsinniger Briefe.
Bis sie nach einem sehr langen Tag zögerlich zueinanderkommen, hat die Autorin A.L. Kennedy ihr meisterliches Können zum Höhepunkt gebracht und auf der Folie einer zarten Romanze ein starkes vielschichtiges Porträt unserer Gegenwart mit all ihren unerträglichen Verwerfungen entworfen. Und das in einer reichen Sprache, die alle Register kennt, sich nicht weg duckt und großen Lesegenuss bereitet. Eine Danteperle at her best. (Stefanie Hetze)

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