Alain Mabanckou: Die Lichter von Pointe-Noire

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Liebeskind Verlag 2017, 267 S. mit 20 SW-Fotografien,  € 20

Mabonckou_Alain_Die_Lichter_von_Pointe-Noire_Dante_Connection_Buchhandlung_DanteperleErstmals nach über 20 Jahren und dem beinahe ebenso lang verdrängten Tod seiner Mutter kehrt Alain Mabanckou in sein Heimatland zurück. Gleich auf den ersten Seiten seines Memoirs schreibt er sich das schwierige komplexe Verhältnis zu seiner Mutter von der Seele, einer erst alleinerziehenden und später verheirateten Marktfrau, der eine Cousine Schlimmstes prophezeit hatte.

Nun kehrt er als berühmter Autor und Gast des Institut Français in seine Heimatstadt Ponte-Noire zurück und begegnet seiner überaus weit verzweigten Verwandtschaft. Sie feiern ihn, haben aber auch beträchtliche Ansprüche an ihn. Er trifft jede Menge Leute, kommt quer durch die Stadt, hört und registriert die unterschiedlichsten Geschichten, Meinungen und Glaubensvorstellungen.  Vieles, auf was er heute stößt, stimmt überhaupt nicht mehr mit seinen Erinnerungen überein, anderes dann wieder ganz unverhofft. In die Textpassagen streut er alte Fotos von früher und aktuelle Aufnahmen ein, was die Wechselseitigkeit vom Erinnerten und dem Heutigen aufs Lebendigste verstärkt. Berührendes, Persönliches kontrastiert er in seinem Buch kunstvoll mit zufälligen Begebenheiten und würzt es mit viel Humor. (Stefanie Hetze)

Das bestelle ich!

Alain Mabanckou: Zerbrochenes Glas

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller, Liebeskind 2013, € 18,90.

45-mabanckou_glasDer aus dem Kongo stammende und in Frankreich lebende Autor versetzt seinen Roman in eine florierende Bar in Brazzaville, in der die Gäste seinen Protagonisten Zerbochenes Glas mit ihren Lebensgeschichten bestürmen, die er, vom Wirt beauftragt, nun endlich aufschreiben soll. Und die Gäste erzählen ihm und wie! Als säße man direkt daneben, werden einem die oft tragikomischen Episoden atemlos und mit viel schwarzem Humor um die Ohren geknallt. Man lauscht bestürtzt, belustigt und trotz vielen Unglücks bestens unterhalten. So greift Mabanckou die orale Erzähltradition Afrikas auf und gibt ihr in rasantem Tempo gänzlich neue Facetten. (Jana Kühn)