Philip Kerr: Friedrich, der große Detektiv

Aus dem Englischen von Christiane Stehen, Illustrationen von Regina Kehn. Rowohlt 2017, 256 Seiten, € 14,99, ab 11

Kerr_kpl_RZ2.inddFriedrich Kissel, geboren im Berlin der Weimarer Republik, hat sein Lieblingsbuch „Emil und die Detektive“ bestimmt schon  zwanzig Mal gelesen. Und Erich Kästner spielt auch in seinem realen Leben eine bedeutende Rolle. Er ist ein Nachbar, guter Freund des Vaters und nicht zuletzt ein großes Vorbild. Wie Erich Kästner erzählt auch Philip Kerr nicht nur eine spannende Krimi-Abenteuergeschichte um eine junge Berliner Bande, sondern eine Milieustudie im Mikrokosmos Familie: Friedrichs Vater, ein Journalist und kritischer Geist, den er an seinen jüngsten Sohn Friedrich weitergegeben hat, dagegen der ältere Rolf, ein glühender Hitlerverehrer und die voller Sorge still beobachtende Mutter. Dazu gesellen sich berühmte Personen der Zeit,  sodass ein Panorama der deutschen Gesellschaft der frühen 1930er entsteht. Die angeschnittenen Hakenkreuze deuten schon im Cover an, was nicht nur im historischen Kinderroman, sondern hochaktuell und in neuem Gewand zunehmend ins Geschehen rückt. Wie hätte, wie würde ich mich verhalten? Ein aufrüttelndes Buch zur Zeit!  (Jana Kühn)

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Katherine Rundell: Feo und die Wölfe

Aus dem Englischen von Henning Ahrens, Carlsen Verlag 2017, 240 S., € 14,99, ab 11

Rundell_Feo und die Wölfe_DanteConnection_DanteperleRussland zur Zeit des Zaren. Feo und ihre Mutter sind Wildwolfer. Sie kümmern sich um Wölfe, die als Welpen zum Vergnügen der Adligen dienten und – einmal ausgewachsen – nicht mehr zum Schmusetier taugen, lehren die Tiere, wieder in der Wildnis zurecht zu kommen. Feo ist mit den Wölfen aufgewachsen, sie sind ihre einzigen Kameraden und sie liebt sie von ganzem Herzen, auch wenn – oder gerade weil – sie keine Schoßhunde sind. Feo weiß jede ihrer Regungen zu verstehen und die Tiere akzeptieren sie als ihresgleichen. Als einer ihrer Wölfe angeblich einen Elch des Zaren reißt, wird der grausame General Rakow auf sie aufmerksam, brennt ihre Hütte nieder und verhaftet ihre Mutter. Im tiefsten Winter macht Feo sich durch Schnee und Eis zusammen mit den Wölfen und dem Jungen Ilja auf, ihre Mutter zu befreien. Zum Glück finden sie unterwegs Freunde, die ihnen helfen. Die Kinder hecken einen fantastischen Plan aus, um das Gefängnis zu stürmen und das Land von dem tyrannischen General und seinen Schergen zu befreien. Dass die Wölfe dabei eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen, versteht sich von selbst. (Syme Sigmund)
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… nicht nur für kleine Rebellinen

Elena Favilli & Francesca Cavallo: Good Night Stories for Rebel Girls. 100 außergewöhnliche Frauen. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Birgitt Kollmann, Hanser 2017, 224 S., € 24, ab 12

Good_night_stories_for_Rebell_Girls_Danteperle_DanteConnectionViele der 100 so genannten Gutenachtgeschichten beginnen mit der Erzählformel „Es war einmal ein Mädchen …“, und doch beschreiben sie die tatsächlichen Lebensgeschichten von beeindruckenden Frauen aus der ganzen Welt, von der Antike bis heute. Den biographischen Skizzen aus der Feder der beiden Autorinnen sind umwerfend schöne, Porträts zur Seite gestellt. Viele der Forscherinnen, Künstlerinnen, Sportlerinnen und Aktivistinnen mussten ihren Weg hart erkämpfen, manche waren oder sind schon zu Lebzeiten weltberühmt. Ein fantastisches Mut-Mach-Frauentableau durch alle Epochen! (jk)  Reinblättern

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… für tierisch Neugierige

Katharina von der Gathen & Anke Kuhl: Das Liebesleben der Tiere, Klett Kinderbuch, 144 S., € 18, ab 8

Von_der_Gathen_Kuhl_Liebesleben_der _Tiere_DanteConnection_DanteperleSo lernen sich Marienkäfer kennen?! Deshalb quaken also Frösche?! Und hoppla, bei den Löwen geht es vielleicht zur Sache! Vom ersten Balztanz, über Paarung und Geburt bis zum Tierfamilienalltag hat Katharina von der Gathen kundig und gänzlich ohne Scheu kuriose Fakten über das Liebesleben der Tiere zusammengetragen. Anke Kuhl hat diese in bekannter Manier extrem witzig und frech illustriert. Man staunt, man kichert auch. Aber kein Grund für rote Ohren – so verrückt und vor allem vielfältig ist die Natur eben. Tierisch verliebt von A wie Aal bis Z wie Zebra – ein ganz besonderes Nachschlagewerk für die ganze Familie! Leseprobe

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… für Fans fantastischer (Bilder)Welten

Armand Baltazar: Timeless – Retter der verlorenen Zeit. Aus dem amerikanischen Englisch von Tanja Ohlsen, cbj, 624 S., € 19,99, ab 12

Baltazar_Timeless_Danteperle_DanteConnectionMit Timeless hat sich der Pixar-Illustrator Armand Baltazar ein Abenteuer geradezu epischen Ausmaßes ausgedacht. Ein kosmischer Vorfall, der zu einer Zeit- und Raumkollision führt, verändert alles Leben auf der Erde. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind durchgeschüttelt und in eine nie dagewesene Gleichzeitigkeit gebannt. Leicht vorzustellen, dass die Koexistenz von Dinosauriern, Segelschiffen, Viktorianern, Skatern und Robotern für gehöriges Konfliktpotenzial sorgt. Neben der packenden Geschichte zeugen vor allem die fulminanten, fast filmisch anmutenden Illustrationen von einer außerordentlichen Leidenschaft für visuelle Erzählkunst.  Und in der Tat ist Timeless ganz großes Erzähl- und Illustrationskino! (jk)

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Sally Nicholls: Eine Insel für uns allein

Aus dem Englischen von Beate Schäfer, dtv Reihe Hanser 2017, € 12,95, ab 11

Nicholls_Insel_für_uns_allein_Danteperle_DanteConnectionDie Geschwister Holly, Jonathan und Davy haben es nicht leicht. Gerade 18-jährig hat Jonathan nach dem Tod der Mutter das Sorgerecht für seine Geschwister übernommen. Die kleine Familie hält sich in aller Liebe wacker – eines fehlt allerdings oft: Geld. Dank des Erbes einer Tante könnte sich das ändern, aber die eigensinnige Dame hat ihre Wertsachen bestens versteckt. So startet eine spannende Schatzsuche, die temporeich und humorvoll den Blickwinkel der dreizehnjährigen Holly einfängt. Die Geschwister schaffen es dank vieler hilfsbereiter Menschen bis auf die schottischen Orkney-Inseln, wo an irgendeinem Strand das Erbe vergraben sein könnte … Einfühlsam und detailreich erzählt Sally Nicholls, was Armut für ein Kinderleben bedeutet, ohne der Geschichte jedoch bleiernes Gewicht zu verpassen. Ganz im Gegenteil, sprachlich leichtfüßig liest sich die Familienschatzsuche auch als modernes Abenteuer und hoffnungsvolles Märchen! (Jana Kühn) Leseprobe

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Jan Paul Schutten & Floor Rieder: Der Mensch

Aus dem Niederländischen von Verena Kiefer, Gerstenberg 2016, € 26,-, ab 10

schutten_rieder_der_mensch_danteperle_danteconnectionMit Schutten & Rieder hat sich ein Traumduo der Sachbücher für Kinder gefunden. In literarischem Plauderton verfasst und künstlerisch illustriert war schon „Evolution“ deshalb 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Nun haben sie sich dem Thema „Der Mensch“ gewidmet. Als Leser direkt angesprochen, erfährt man in dem Prachtband kurz gesagt, wie der menschliche Körper gebaut ist, und warum er wie funktioniert. Das klingt nicht allzu besonders, aber das umfangreiche Wissen ist derart kenntnisreich, dabei unterhaltsam und ohne Scheu vor heiklen Angelegenheiten aufgeschrieben, dass sich ganz sicher auch ältere Leser amüsieren. Liebhaber kunstvoller Illustrationen kommen sowieso auf ihre Kosten, denn Floor Rieder hat in aller Kunstfertigkeit und Fantasie famose Schautafeln erstellt, die sowohl klar und einleuchtend als auch überbordend und opulent sind. Allerschönste, kindgerechte Wissensvermittlung! (Jana Kühn)

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Anna Woltz: Gips

… oder wie ich versuchte an einem Tag die Welt zu reparieren. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann, Carlsen, 10,99 €, ab 10

woltz-gips-carlsen-dante-perlie-buchladen-kreuzberg Anna Woltz erzählt in „Gips“ in aller Direktheit und mit viel Feingefühl von der 12jährigen Fitz, deren Eltern sich gerade getrennt haben. Ab jetzt soll sie zusammen mit ihrer kleinen Schwester Bente und einer Hin- und Hertasche zwischen zweimal Zuhause pendeln und sogar noch Verständnis für diese neue Situation zeigen. Fitz zerspringt fast vor Unglauben, Wut und Verzweiflung darüber. Ein Fahrradunfall bringt die geschiedene Familie im städtischen Krankenhaus erneut zusammen, und Fitz wünschte, so eine kaputte Liebe könnte man für ein paar Wochen in heilenden Gips legen. Alles wieder gut? Leider nein. Aber das Krankenhaus scheint dennoch ein verheißungsvoller Ort der Liebe und des Verliebens zu sein, fast wie in den Fernsehserien – und sogar für Fitz. Mit ihrem Vorgängerbuch „Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess“ sorgte Anna Woltz auch in Deutschland schon für viel Furore und wurde dafür u.a. mit dem Luchs Juli 2015 und dem Lesekompass 2016 ausgezeichnet. Ähnliches möchte ich schon jetzt für ihren neuen Roman vorhersagen. (Jana Kühn)

Flandern und die Niederlande sind diesähriger Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Noch mehr Empfehlungen dazu gibt es bei uns im Laden!

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Mehrnousch Zaeri-Esfahani: 33 Bogen und ein Teehaus

Peter Hammer Verlag 2016, 14,90 €, ab 12

52_zaeri_33_bogen_buchhandlung_dante_connection_danteperle 1985 verließ Mehrnousch Zaeri-Esfahani mit ihrer Familie den Iran, der nach der Islamischen Revolution und mit dem Beginn des 1. Golfkriegs zum stetig bedrohlicheren Lebensort wurde. In dem Jugendroman „33 Bogen und ein Teehaus“ hat sie ihre Kindheitserinnerungen nun literarisch verarbeitet. Anschaulich berichtet sie von den verschiedenen Etappen: ihrem Aufwachsen in Isfahan unter immer brisanteren Lebensumständen, der Ausreise in die Türkei, dem Visaantrag für die DDR, um nach verschiedenen Orten in Westdeutschland endlich in Heidelberg eine neue Heimat zu finden. Auch wenn diese Geschichte so bereits vor 30 Jahren stattgefunden hat, erinnern doch die bürokratischen Hürdenläufe und Schilderungen von mangelhaften Notunterkünften geradezu absurd an die aktuelle und leider sehr reale Situation. In aller Klarheit und ohne erzählerische Schnörkel macht Mehrnousch Zaeri-Esfahani die Situation einer Flucht, das Gefühl des Kein-Zuhause-Habens für jugendliche Leser nachfühlbar. (Jana Kühn) Leseprobe

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Bov Bjerg: Auerhaus

Blumenbar 2015, € 18,00

Bjerg_Auerhaus_U1.inddAchtziger Jahre in der gutbürgerlichen westdeutschen Provinz, die scheußliche Fußgängerzone bildet da fast den Nabel der Welt. Freder, der Freund des 17jährigen Erzählers, landet nach einem Selbstmordversuch in der Psychiatrie. Da Freder nicht mehr bei seinen Eltern leben soll, ist die Alternative ein leerstehendes Haus auf dem Dorf,  Als er, der Erzähler und einige weitere Jugendliche einziehen, drehen sie laut  “Our House” auf, was der Bauer von nebenan als “Auerhaus” versteht. Die Jugendlichen-WG hat ihren Namen weg und ist magischer Anziehungsort für alle, die nicht stromlinienförmig in die Fußstapfen ihrer Eltern und deren vorgefertigte Lebensläufe treten wollen. Es wird sehr viel geredet, gefeiert, geklaut, ausprobiert. Aber endlich ist es dann doch. Das ist traurig,aber unausweichlich. Diese kostbaren Monate “kurz vor” all den Weichenstellungen erzählt Bov Bjerg in einer warmen rhythmischen Sprache. Das erzeugt schon eine leise Wehmut, ist aber völlig unsentimental. Respekt. (Stefanie Hetze) Leseprobe

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