Hallgrímur Helgason: 60 Kilo Sonnenschein

Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig, Tropen Verlag 2020, 576 S., € 25,-

helgason-60KIlo-U1+Ruecken.inddEin Fjord im Norden Islands, dem Polarmeer zugewandt. Ein kleiner Ort, eine Kirche, ein Gemeindevorsteher und ein paar versprengte Höfe, die meisten eher mit dem Vieh geteilte Katen, unter die Grasnarbe gebaut. Vielleicht 80 Menschen leben hier, trotzen den unwirtlichen Lebensbedingungen der unerbittlichen Natur und den jahrhundertealten Unterdrückungsstrukturen. Doch dann erscheinen Norweger im Fjord und beginnen eine Halle für die Heringsverarbeitung zu bauen. Dass diesem kleinen, hässlichen Fisch, der doch gerade mal als Viehfutter taugt, die Zukunft gehören, er Reichtum bringen soll, können die isländischen Bauern gar nicht glauben. Doch schon mit dem ersten Fang wird klar, dass die alte Zeit plötzlich und doch endgültig der Vergangenheit angehört.
Diesmal hat Helgason keine absurd-schräge Geschichte verfasst, sondern eine veritable Islandsaga, einen historischen Roman über den Einzug der Moderne in eine archaische Welt, angelehnt an die Geschichte des Siglufjördur, von Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1968 der Fischereihafen für Heringe in Island schlechthin. Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite und mit vielen Szenen voller Situationskomik und skurrilen Figuren, die den uns bekannten Helgason erkennen lassen, ist dieses Buch vor allem große Literatur und wurde zurecht mit dem Isländischen Literaturpreis für den besten Roman des Jahres 2018 ausgezeichnet.
Als ergänzende Lektüre empfiehlt sich „Heringe“ von Holger Teschke, erschienen 2014 in der Reihe Naturkunden bei Matthes & Seitz, damals übrigens auch eine „Danteperle“. (Syme Sigmund) Leseprobe

Das bestelle ich!