James Baldwin: Giovannis Zimmer

Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow, mit einem Nachwort von Sasha  Salzmann. dtv 2020, 208 S., € 20,-

9783423282178„Giovannis Zimmer“ ist das vierte Buch von James Baldwins das in einer Neuübersetzung erscheint. Und wieder ein Buch wie ein Schlag in die Seele, der tief in die Unzulänglichkeiten und Begrenzungen menschlichen Daseins blicken lässt. David, ein junger homosexueller weißer Amerikaner auf Europareise in Paris, beginnt eine heftige Liebesaffäre mit dem jungen, lebensgierigen Giovanni. In kurzen Wochen genießen sie ihre Liebe, ihre Körper und nähern sich auch intellektuell an. Vor den Anfeindungen ihrer Umwelt schützen sie sich, soweit dies in einer offen homophoben Gesellschaft möglich ist. Als Davids Verlobte Hella aus Spanien zurückkehrt, wendet sich dieser von Giovanni ab und stürzt ihn in tiefe Verzweiflung.
Baldwin beschreibt die berührende Liebesgeschichte zwischen den beiden jungen Männern schnörkellos und ohne rührseligen Kitsch. Fast zwangsläufig führt Davids Trennung von Giovanni direkt in eine Katastrophe. Wie in seinen anderen Büchern greift Baldwin wieder ein Thema auf, das den Blick auf Unterdrückung und Gewalt lenkt. Die Geschichte weist aber weit über die Ursachen der gesellschaftlichen Gewalt hinaus. Sie legt offen, welche Verheerungen die Homophobie in den Opfern selbst anrichtet und diese zu Tätern werden lässt. David kann zu seiner wahren Natur nicht stehen, zu groß ist die Angst vor der gesellschaftlichen Ächtung. Damit stürzt er alle Menschen, die ihm etwas bedeuten, in Verzweiflung. Stehst du nicht zu dir, deiner Natur, deiner Liebe, stehen am Ende Unglück und Vernichtung. Ein überzeugendes Plädoyer dafür, sich zu erkennen und zu akzeptieren, egal wie feindlich deine Umwelt ist. Ein Meisterwerk – freuen wir uns auf weitere Neuauflagen! (Torsten Sigmund) Leseprobe

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